Geschichte

Aus der Geschichte des Musikvereins Appenweier e.V.

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Die ursprüngliche Geschichte unserer Musikkappelle dürfen wir sicher schon in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts ansetzen. Danach leitete, wie die Chronik der hier alteingesessenen Familie Bell berichtet, der Lehrer und Organist Jakop Christoph Bell ein kleines Orchester, das weit über die Grenzen des Heimatortes bekannt war. Das Können dieser Gruppe von Musikanten war so groß, daß sie des öfteren eingeladen wurden, dem Marktgrafen Ludwig von Baden, dem Sohn des Türkenlouis, im Rastatter Schloss und im Schloss Favorit zur Unterhaltung aufzuspielen.
Der Enkel deses Jakob Christoph Bell, Johann Baptist, ebenfalls Lehrer und Organist in Appenweier, gründete dann vor 175 Jahren aus hiesigen Bürgersöhnen eine Blaskapelle und legte damit den Grundstein unseres Vereines. Dieser selbst wurde allerdings erst 50 Jahre später ins Leben gerufen; aber jene Kapelle und die Tradition, die die Pflege der Blasmusik in Appenweier geschaffen hatte, bildeten die Voraussetzungen dafür. Daß der 1. Vorstand Josef Graf, wie übrigens einige seiner Nachfolger, Bürgermeister des Dorfes war, beweist, welche Bedeutung man den Musikleben in Appenweier beimaß. Die aktive Kapelle setzte sich 1878 wie folgt zusammen:

Dirigent wurde der damalige Oberlehrer Joseph Hildebrand, der durch die Schule des Musiklehrers am Lehrerseminar in Ettlingen, Anton Bell, eines Bruders des Johann Baptist Bell, gegangen war. Die aus obengenannten Musikern gebildete Musikkapelle trat bei allen öffentlichen Anlässen auf, so daß sie bald aus dem kulturellen Leben der Gemeinde nicht mehr wegzudenken war.

Am 03.11.1895 wurde der damalige Bürgermeister Jakob Wiedemer an Stelle des ausscheidenden Vorstandes Josef Graf gewählt, mit den Verwaltungsräten Michael Wiedemer, Emil Müller (Kassier), Franz Hodapp, Franz Kupferer (Schriftführer) und Sebastian Föll. Als Nachfolger des Dirigenten Hildebrand wurde Dirigent Solmann aus Offenburg bestellt. Am 26. April 1900 übernahm der hier wohnende Steueraufseher Schlager, welcher mit dem bekannten Musiker Karl Ignaz Kornmeier aktiv beim Infantrieregiment 112 diente und dort 12 Jahre Militärmusiker war, den Dirigentenstab. Schlager erbot sich die Leitung der Musik, ohne Entschädigung, zu übernehmen. Er brachte mit großem Geschick die Kapelle auf eine beachtliche Höhe. Nach seiner Pensionierung und seinem Wegzug von Appenweier übernahm der Malermeister Adolf Müller von hier den Dirigentenstab. Auch er forderte keine Dirigentenentschädigung.

Wie heute, wurden auch damals Generalversammlungen abgehalten, in denen über die Gestaltung des Vereinslebens beraten wurde. So beschloß man am 18.03.1906 einen Maiausflug durchzuführen.

1907 musste wiederum ein Leiter auswärts geholt werden; es war Dirigent Straube aus Offenburg, der nun gegen eine Entschädigung von 3.- RM (einschl. Fahrtkosten) die Kapelle führte. Bei der Mitwirkung an den Geburtstagen von Großherzog Friedrich und Kaiser Wilhelm II. wurde der Kapelle eine Vergütung von je 30.- RM gewährt. Auch damals unterstützte schon die Kapelle die anderen Vereine bei der Durchführung ihrer Feste. So errang sie sich hohes Lob für ihre Darbietung bei den Festlichkeiten zum 50. Jubiläum des Militärvereins und des Männergesangvereins im Jahre 1913.

Durch den Beginn des ersten Weltkrieges im August 1914 war die Aktivität durch den Einzug zum Herr stark eingeschränkt. In der ersten ordentlichen Generalversammlung nach dem Kriege 1920 übernahm der neugewählte Bürgermeister Albert Restel den Vorsitz des Vereins. Jakob Wiedemer war 1916 gestorben. Zum gleichen Zeitpunkt wurde der ehemalige aktive Franz Hirschmann, der auch Militärmusiker gewesen war, als Dirigent berufen. Da auch eine grosse Anzahl junger Männer dem Verein beitrat, konnte Hirschmann die Kapelle wesentlich verstärken und bald mit ausgezeichneten Leistungen aufwarten.

Bei einem Besuch des damaligen Landrates Sanders in der Eigenschaft als Polizeiamtmann des Landratsamtes Offenburg, trat die Kapelle offiziell auf und erhielt hohe Anerkennung für die Güte ihres Vortrages.

Am 02.02.1923 wurde Appenweier überraschend als erweiterter Brückenkopf Kehl von den Franzosen besetzt. Die Besatzungsstärke des Franzosen betrug ca. 5000 Mann. Jedes Auftreten des hiesigen Vereine war lahmgelegt. Als Besatzungsgrenze galt die Gemarkungsgrenze. Alle Verbindungswege und Gäßchen waren blockiert, um Pendlern nachts jeden Ein- und Austritt unmöglich zu machen. In dieser schweren Zeit übertrug man dem Altmusiker Karl Ignaz Kornmeier die Führung des Vereins. Im benachbarten Nesselried trat die Kapelle öfters auf, woran die Bevölkerung regen Anteil nahm. Die nachfolgende Inflation wirkte sich wie überall auch im Musikverein aus. Nach der Neuordnung der finanziellen Verhältnisse durch die Einführung der Rentenmark und nach dem Abzug der Franzosen konnte die Vereinsarbeit wieder voll aufgenommen werden.Unter dem neuen 1. Vorsitzenden Ludwig Sauer, Wirt vom "Badischen Hof", der grosse materielle Opfer für den Verein brachte, und dem verdienten Dirigenten Hirschmann erreichte die Kapelle bald ihren früheren Leistungsstand.In der Generalversammlung vom 22.03.1925 legte Sauer sein Amt als 1. Vorsitzender des Vereins nieder und an dessen Stelle wurde August Grumer einstimmig zum 1. Vorsitzenden bestellt. In der Zeit als August Grumer den Vorstandsposten übernahm, gehörte der Musikverein dem mittelbadischen Musikverband mit Sitz in Durmersheim an. Grumer war damals aktiv beratendes Mitglied im Verband. Als Nachfolger des scheidenden Dirigenten Hirschmann wurde Karl Rohn aus Offenburg gewonnen.

Das hohe Niveau, das die Kapelle unter seiner tüchtigen und weitsichtigen Leitung erreichte, stellte er mit seinen Musikern während des 50-jährigen Vereinsstiftungsfestes am 11.07.1928 bei einem Wertungsspiel, an dem 22 auswärtige Kapellen teilnahmen, glänzend unter Beweis. Unter dem 1. Vorsitzenden August Meidinger, der 1929 August Grumer in der Vereinsführung abgelöst hat, erhielten die aktiven Musiker eine Uniform. Meidinger legte am 31.01.1932 sein Amt nieder; an seine Stelle wurde Ludwig Sauer gewählt, welcher das Amt für ein Jahr annahm. Nach dem Ablauf des Jahres war eine Neuwahl des gesamten Vorstandes fällig. In dieser Generalversammlung am 28. Januar 1933 wurde August Grumer wieder einstimmig zum 1. Vorstand gewählt. Im Laufe des Geschäftsjahres, verstarb der bisherige Dirigent Rohn; für ihn wurde Dirigent Kohlmüller bestellt.

In einer außerordendlichen Generalversammlung am 26.11.1933 traot August Bell als 2. Vorstand in den neugewählten Gesamtvorstand ein. 1936 bei der Eingliederung der Gemeinde in den Kreis Kehl, wurde der Musikverein dem “Hanauer Musikgau und Umgebung” zugeteilt, in dem der 1.Vorstand August Grumer beratendes Mitglied war. Unter dessen Vorsitz wurden die Satzungen des Vereins überholt bzw. umgeändert. Am 04. September 1937 vereinigte sich die heisige Turnerkapelle mit der Ortskapelle, wodurch eine langjährige Rivalität ihr Ende fand. Eine gute Kraft und Stütze fand der Verein in dem neugewonnenen Dirigenten Fritz Schreiner aus Offenburg, welcher mit Unterbrechung bis 1950 wirkte. Am 24.04.1938 wurde vom Landesfachschaftsleiter Kromer aus Freiburg eine Fachschaftstagung für Kapellen des "Hanauer Musikgaues" in den Haunauer Hof in Appenweier einberufen. In dieser Tagung wurden wichtige Fragen des deutschen Volksmusik behandelt. Durch den 2. Weltkrieg erlitt die Kapelle eine Schwächung durch Einzug von aktiven Musikern. Der verbliebene Teil der Aktivität stand treu zur Sache und war jederzeit einsatzfähig.

In den Jahren 1945 - 1946 ruhte die Tätigkeit des Vereins; sie wurde erst am 20.05.1946 mit einer Generalversammlung wieder aufgenommen. Als 1. Vorsitzender wurde Josef Sauer, als vorläufiger Dirigent Alfons Ulm gewählt. Zwei Jahre später übernahm Franz Roth den Vorsitz, während die musikalische Leitung wiederum in die Hände des Verein wohlbekannten Dirigenten Schreiner aus Offenburg gelegt wurde. Aus beruflichen Gründen trat Schreiner 1951 von seinem Amt zurück. Als neuer Dirigent konnte nun Musikdirektor Oerkwitz aus Offenburg gewonnen werden. Unter Oerkwitz nahm die Kapelle einen ungeahnten Aufstieg. In der Frühjahrshauptversammlung 1951 in Lauf trat der Verein dem Acher- und Renchtal-Musikverband bei. Den gleichmäßigen Ablauf der Jahresarbeit unterbrachen immer wieder verschiedene Jubiläumstage des Vereins. Am 04., 05. und 06.07.1953 fand das 75-jährige Vereinsstiftungsfest statt, mit dem ein Bezirksmusikfest des Acher-Renchtal-Musikverbandes verbunden war. Bei diesem Anlaß dem Gründungsmitglied Karl Kornmeier durch den Verband das goldene Ehrenzeichen des Bundes Deutscher Volksmuskikverbände verliehen. Auf diesem Fest zeigte sich auch die Kapelle mit ihren glanzvollen Vorführungen, welches Niveau sie unter der zweijährigen Leitung des Musikdirektors erreicht hatte. Weche Bedeutung diesem Fest beigemessen wurde, kam durch die Anwesenheit des damaligen Landrats Bechtold aus Kehl zum Ausdruck. Bei diesem Fest wirkten neben 30 Musikkapellen die örtlichen Vereine mit. Dieses 75-jährigem Stiftungs- und Bezirksmusikfest war ein grosser Erfolg für die Musikkapelle und den Verein. Ein örtliches Volksmusikfest wurde vom 30.06. bis 02.07.1956 wieder auf dem selben Festplatz (im Garten des Albert Grumer in der Dorfstrasse) durchgeführt. Bei diesem Fest unterhielten eine Anzahl von Gastkapellen und die örtlichen kulturellen Vereine das begeisterte Publikum. Aufgrund der guten Leistungen der Kapelle wurde dieselbe zur Beteiligung an der Herbstmesse in Offenburg im Jahre 1957 zugezogen.

In Verbindung mit dem 80-jährigen Vereinsjubiläum am 02., 03. zbd 04.08.1958 wurde das Verbandsmuskfest des Acher-Renchtal-Musikverbandes durchgeführt. Neben zahlreichen Kapellen wirkte die Stadtkapelle Säckingen mit. Wieder zog einn grosser Festwagen durch die Straßen des Dorfes. Regierungsrat Dr. Meßmer überbrachte die Grüsse des Kreises Kehl.

In der Generalversammlung vom 19.03.1961 im “Badischen Hof” stellte der bisherige verdiente 1. Vorstand Franz Roth sein Amt krankheitshalber zur Verfügung. Bei der Neuwahl erhielt Josef Grumer 98 Prozent der abgegebenen Stimmen. In Überraschung deses Erfolges nahm Grumer dieses Amt an. bei dem 100-jährigen Gründungsfest der Kameradschaft ehemaliger Soldaten und Kriegsteilnehmer vom 06. bis 08.07.1963, wobei der Schirmherr des Festes, Landrat Schäfer von Kehl, und Offiziere der Bundeswehr des Standortes Achern, an der Spitze Oberstleutnant Büchner beim Festbankett anwesend waren, wurde die Feier von der Musikkapelle, die durch den Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Schutterwald verstärkt worden war, mit dem Großen Zapfenstreich beendet. Dieser Abschluss fand grossen Beifall.

Am 01., 02. und 03.08.1964 beging die Musikkapelle ihr 145-jähriges Bestehen, das wiederum mit dem Bezirksmusikfest des Acher-Renchtal-Musikverbandes verbunden war. Als Schirmherr deses Festes wurde vom Musikverein Landrat Schäfer aus Kehl gewonnen. Beim Festbankett und am Festtag selbst wirkte die in historischer Tracht gekleidete Knabenkapelle aus Meersburg mit. Die Bevölkerung war über die hervorragenden Leistungen der jungen Musiker, besonders des kleinen Trommlers, hellbegeistert. Auch dieses Fest war wiederum ein grosser Erfolg für den Verein.

Angeregt durch den Erfolg der Meersburger Knabenkapelle wurde auch in Appenweier eine Jugendkapelle gegründet, welcher 38 Knaben und Mädchen beitraten. Am 08.10.1964 wurde mit der Ausbildung begonnen und bereits am heiligen Abend 1965 spielte die Jugendkapelle zur grossen Freude der Bevölkerung unter dem Christbaum am Hindenburgplatz Weihnachtslieder. Ein Jahr später gaben sie im "Hanauer Hof" das erste öffentliche Konzert. Das Können dieser jungen Musiker war der Tatkraft ihres Dirigenten Renatus Frank und den Ausbildern unter den Senioren zu verdanken. Die Blasmusikschule Kehl veranstaltete im Auftrag der Kreisverwaltung Kehl, an deren Spitze Landrat Schäfer steht, ein Konzet in der Stadthalle Kehl am 24.04.1966. Unsere Jugendkapelle, die der Blasmusikschule angehört (Aussenstelle Appenweier), nahm an diesem Konzert teil. Wegen der guten Verbindung mit der Stadtmusik Rosheim im Elsaß wurde unsere Kapelle am 16.10.1967, anlässlich eines Werbefestes, nach Rosheim eingeladen. Am dortigen Marktplatz gab die Musikkapelle Appenweier ein einstündiges Konzert, welches mit grosser Begeisterung von der Bevölkerung aufgenommen wurde. Dieser Kontakt ist bis zu heutigen Tage erhalten geblieben.

Durch das fortgeschrittene Alter des hochverdienten Dirigenten Oerkwitz wurde 1967 ein Dirigentenwechsel notwendig. an seine Stelle wurde Dirigent Erich Seiler vom SWF Baden-Baden gewonnen, der sich mit Energie und Schaffenskraft dem Wohle der Kapelle und seiner Musiker widmet. Die Aufwärtsentwicklung und Leistungen der Kapelle sind an den vielen erfolgreich teilgenommen Preis- und Wertungsspielen zu ersehen.

Die Musikkapelle stelt sich Jahr für Jahr uneigennützig der Allgemeinheit zur Verfügung bei allen Anlässen. Eine Dorfgemeinschaft wäre arm ohne eine gute Musikkapelle. Es wäre schön, wenn dieser Verein von noch mehr Einwohnern unserer Gemeinde unterstützt werden würde.

Vom 05.bis 08. Juli 1968 fand in Appenweier das Verbandsmusikfest statt, verbunden mit dem 150-jährigen Bestehen der Kapelle, 90-jährigen Bestehen des Vereins und dem 40-jährigen Bestehen des Verbandes.Die Jubiläen wurden in grossem rahmen festlich begangen. Unter den zahlreichen Gästen konnte auch Ministerpräsident Dr. Hans Filbinger gegrüsst werden.

Die Jugendkapelle des Vereins konnte am internationalen Jungentreffen 1969 in Staufen/Breisgau den Acher-Renchtal-Musikverband würdig vertreten.Herausragendes Ereignis im Jahr 1970 war die Bildung einer Jugendgruppe mit 32 Mitgliedern.

Am 22.05.1971 wurde der Kapelle durch den Regierungspräsident Dr. Person und Landrat a.D., Präsident des Bundes Deutscher Blasmusikverbände, Walter Schäfer die "Pro-Musica-Plakette" verliehen.

Im Mai 1973 übernahm mit Herrn Jürgen Ramin, Mitglied des Sinfonieorchesters beim Südwestfunk Baden-Baden ein hervorragender Musiker und Pädagoge die Kapelle als Dirigent.

In Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein und der Gemeindeverwaltung gelang es dem Verein, eine neue, der historischen Appenweierer entsprechende Tracht zu beschaffen. Viel beachtet wurde der auch im Fernsehen übertragene erste Auftritt am Weissen Sonntag 1974.

Ein Festtag auch für die Kapelle war der 17.11.1976, als der langjährige 1. Vorsitzende in einer würdigen Feierstunde aus der Hand des Regierungspräsidenten das Bundesverdienstkreuz entgegennehmen konnte.

Die hervoragende Leistung der Kapelle, ihre steigende Bekannt- und Beliebtheit spiegelt sich u.a. in einigen grossen Auftritten wider, so den Konzerten in Kurhaus Baden-Baden (16.06.1974 und 05.06.1977), Mitwirkung bei der Volksmusik-Hitparade - Übertragung im 1. Hörfunkprogramm des SWF (24.03.1975), Hafenkonzert "Gruss vom Bodensee" (ebenfalls am 19.06.1978 im SWF), den Osterkonzerten in Appenweier und den zahlreichen Auftritten als Mitwirkende bei Festlichkeiten der örtlichen Vereine.

Als weitere Höhepunkte in der Vereinsgeschichte dürfen die Treffen mit der Partnerstadt Montlouis gelten, so vei dem Vertragsabschluß in Montlouis (15. - 17.02.1975), die Mitwirkung beim Musikfest in Montlouis (28. - 30.05.1977) und die Mitwirkung bei den Gegenbesuchen aus Montlouis.

Die Geschichte wird fortgesetzt...